Überblick:

Die Autoimmunerkrankung Psoriasis Arthritis, auch Psoriasisarthritis oder Arthritis Psoriatica genannt, ist eine Unterform der Psoriasis. Dabei handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, welche mit dem Befall der Gelenke, der Haut, der Nägel und der inneren Organe einhergehen kann. Die Anzahl der an Psoriasis Arthritis erkrankten Menschen in Deutschland bewegt sich zwischen 0,05 % und 0,3 %, eine genaue Angabe kann nur schwer getroffen werden, da diese Form häufig unerkannt bleibt oder mit der rheumatoiden Arthritis verwechselt wird. (1) In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung zwischen dem 35. und dem 55. Lebensjahr, dabei sind Frauen und Männer gleich häufig betroffen. Die Bezeichnung der Erkrankung leitet sich von drei lateinischen und griechischen Begriffen ab. Dabei steht der Wortstamm „psao“ für „Kratzen“, das Wort „Arthron“ bedeutet „Gelenk“ und die Endung „-itis“ bezeichnet in der Medizin immer eine Entzündung.

1. Was ist Psoriasis Arthritis?

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Psoriasis Arthritis gehört zu den Spondylarthritiden und ist eine Autoimmunkrankheit. Bei Patienten mit einer Psoriasis Arthritis besteht eine Fehlregulation des Immunsystems. Dabei wird das eigene, gesunde Gewebe durch den Abwehrmechanismus des Körpers aggressiv angegriffen, wodurch Entzündungen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen entstehen. Die Psoriasis Arthritis geht häufig mit einer für die Schuppenflechte typischen Hautsymptomatik einher, ebenso können Finger- und Zehennägel betroffen sein. Am häufigsten betroffen sind bei der Psoriasis Arthritis die körperfernen, also distalen Gelenke. Dazu gehören insbesondere die Gelenke der Finger.

Die Psoriasis Arthritis teilt sich in fünf bekannte Formen auf:

Asymmetrische Oligoarthritis

Rund 60 % der Patienten mit einer Psoriasis Arthritis leiden an dieser Form der Erkrankung. Betroffen sind meist alle Gelenke sowie die Weichteile der Finger, wobei die Ausbreitung häufig ungleichmäßig stattfindet.

Symmetrische Polyarthritis

Diese Form betrifft rund 20 % aller Patienten mit einer Psoriasis Arthritis und ist im Erscheinungsbild und Verlauf der rheumatoiden Arthritis sehr ähnlich. Aus diesem Grund ist die Diagnostik häufig langwierig.

Spondylarthritis mit Sakroiliitis

Rund 10 % der Betroffenen leiden an einer Spondylarthritits, welche durch die Symptomatik der Autoimmunerkrankung Morbus Bechterew sehr ähnelt. Auch bei dieser Form scheitert die Diagnostik häufig an der untypischen Lokalisation der Schmerzen und Entzündungen, da die Beteiligung der Wirbelsäule für eine Psoriasis Arthritis unüblich ist.

Befall der proximalen und distalen Interphalangealgelenke

Diese Form, welche bei rund 5 % der Patienten zum Vorschein kommt, betrifft ausschließlich die Interphalangealgelenke der Finger. Dabei handelt es sich um die Gelenke, welche zwischen den Fingerknochen liegen. Die Beteiligung der Gelenke zwischen den Fingern und den Mittelhandknochen findet nicht statt. Diese Form ähnelt im Erscheinungsbild den typischen Formen der Arthrose wie Bouchard-Arthrose (Befall der oberen, also proximalen Fingergelenke) und Heberden-Arthrose (Befall der unteren, also distalen Fingergelenke).

Deformierende, mutilierende Polyarthritis

Diese Form betrifft ebenfalls rund 5 % aller Patienten und ist in ihrem Verlauf unvorhersehbar, beinhaltet Schübe und kann sich binnen weniger Monate massiv ausprägen. (2)

2. Welche Ursachen hat Psoriasis Arthritis?

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Da es sich bei der Psoriasis Arthritis um eine Autoimmunerkrankung handelt, ist die Entstehung idiopathisch, also nicht näher bekannt. Eine hohe Gefahr, an der Psoriasis Arthritis zu erkranken, betrifft Patienten mit einer bestehenden Schuppenflechte. Rund 20 % aller Betroffenen entwickeln im Laufe der Zeit eine Psoriasis Arthritis. Eine familiäre Disposition ist bei der Erkrankung bekannt, wodurch man auf eine genetische Ursache schließen kann. Dies betrifft aber nur einen Teil der Patienten. Weitere Ursachen sind nicht bekannt. Es ist ebenso nicht erforscht, warum ein Fünftel der Patienten mit einer Psoriasis eine entzündliche Beteiligung der Gelenke entwickelt.

3. Welche Symptome & Anzeichen sprechen für Psoriasis Arthritis?

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Die Symptomatik der Psoriasis Arthritis unterscheidet sich je nach Form und Verlauf. Leitsymptome der Erkrankung sind geschwollene und entzündete Gelenke der Finger und Zehen. Sehr typisch für eine Psoriasis Arthritis ist eine Daktylitis, also die Entzündung aller Gelenke und Weichteile der Finger. Dadurch wirken Finger gleichmäßig dick, sind unbeweglich und schmerzhaft.

Ebenso kann die Haut mit einer Schuppenflechte betroffen sein. Dieses Symptom kann vor, während oder nach der bestehenden Entzündung auftreten. In rund 10 % aller Fälle besteht keine Beteiligung der Haut, was die Diagnostik sehr komplex macht. Entzündliche Prozesse können in seltenen Fällen auch innere Organe befallen.

Sehr typisch für die Psoriasis Arthritis ist eine zusätzliche Nagelpsoriasis. Dabei bilden sich Dellen und Kerben auf den Nägeln der Finger und Zehen. Die Stellen können sich verdicken, ebenso ist eine typische Gelbfärbung häufig.

4. Wie diagnostiziert man Psoriasis Arthritis?

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Die Diagnostik der Erkrankung ist mit Komplikationen verbunden, da viele andere Differentialdiagnosen bestehen. Dazu gehören zum Beispiel die rheumatoide Arthritis, Morbus Sudeck, Morbus Bechterew und andere Erkrankungen.

Körperliche Untersuchung

Körperliche Veränderungen wie angeschwollene Finger, Zehen, entzündete Sehnen und Bänder der Hände und Füße sowie das Bestehen einer Schuppenflechte sprechen für die Erkrankung. Ebenso wird das Bewegungsausmaß der Extremitäten gemessen.

Anamnese

Der Erkrankte wird ausführlich zu medizinischen, sozialen, genetischen und beruflichen Aspekten befragt. Ebenso soll der Patient subjektive, nicht messbare Symptome wie Schmerzen, Müdigkeit, Belastungsfähigkeit und Unwohlsein beschreiben.

Blutuntersuchungen

Zur Differentialdiagnostik wird das Blut des Patienten entnommen und auf Antikörper untersucht. Dabei geht es um sogenannte Rheumafaktoren. Werden diese nicht nachgewiesen, was bei 90 % der Psoriasis Arthritis Patienten der Fall ist, wird eine rheumatoide Arthritis ausgeschlossen. Ebenso wird der Harnsäurespiegel im Blut gemessen, um eine Gicht auszuschließen.

Bildgebende Verfahren

Mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall und Röntgen wird das Ausmaß der degenerativen Veränderungen und Schädigungen der Gelenke eingeschätzt, ebenso sollen mit den Maßnahmen andere Ursachen ausgeschlossen werden. (3)

5. Wie ist der typische Krankheitsverlauf?

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Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich und kaum zu pauschalisieren. Die Psoriasis Arthritis kann sowohl mit der Beteiligung der Haut, also einer Schuppenflechte, einhergehen, als auch gänzlich ohne einer Hautsymptomatik auftreten. In manchen Fällen verläuft die Erkrankung schubförmig, in anderen progredient.

Der Ausbruch einer Psoriasis Arthritis wird am häufigsten zwischen dem 35. Und dem 55. Lebensjahr festgestellt. Häufig treten Pausen oder spontane Besserungen ohne einen Auslöser auf. Das Abschätzen des Verlaufs ist kaum möglich. Laut dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist die Autoimmunerkrankung nicht heilbar.

6. Welche Behandlungsmethoden bzw. Therapien gibt es?

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Da die Psoriasis Arthritis nicht heilbar ist, erfolgt die Therapie symptomatisch. Dabei soll die Lebensqualität des Patienten verbessert werden. Neben der Symptombehandlung müssen weitere bestehende Erkrankungen ebenfalls behandelt werden, da diese das Ausmaß der Psoriasis Arthritis beeinflussen können.

6.1 Schulmedizin

Die Erkrankung wird in der Regel medikamentös behandelt. Zum Einsatz kommen verschiedenste Mittel, die Wahl der Medikamente hängt von der Symptomatik und der Ausprägung ab. Beispielweise verwendet man Analgetika, also Schmerzmittel, sowie Entzündungshemmer. Diese nehmen keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung, sollen aber die Entzündung reduzieren, um die Lebensqualität zu steigern und die Zerstörung der Gelenke aufzuhalten.

Neben den NSAR-Medikamenten (Nicht steroidale Antirheumatika) kommt Kortison als ein starkes, entzündungshemmendes und immunsuppressives Medikament in Form von Spritzen oder Tabletten zum Einsatz. Ebenso werden bei schwereren Verläufen krankheitsmodifizierende Medikamente wie Methotretax (MTX) oder Biologika verwendet.

Bei einer Beteiligung der Haut muss ebenso die Schuppenflechte mitbehandelt werden, da die Erkrankung der Haut ebenfalls sehr einschränkend und teilweise schmerzhaft sein kann.

6.2 Naturheilkunde

In der Phytotherapie, also einer pflanzlichen Behandlung, kommen entzündungshemmende und gelenkunterstützende Mittel zum Einsatz. Dazu gehört zum Beispiel der Stoff CBD, welcher in der Hanfpflanze vorzufinden ist und keine psychoaktive Wirkung hat. Ebenso können Hyaluronsäure und Kollagen Einfluss auf die Gelenkgesundheit nehmen.

Pflanzliche Kompressen und Bäder können ebenso die Entzündung lindern, beispielweise mit Arnika, Brennnessel, Kamille, Ingwer oder Thymian.

Unsere Empfehlung bei Psoriasis Arthritis

6.3 Alternative Therapieformen

Aktuell gibt es kein Verfahren in der alternativen Heilkunde, welches nachweisbar eine Linderung oder Besserung bei Psoriasis Arthritis mit sich bringt. In einigen Fällen profitieren Patienten von einer Behandlung mit der Traditionellen chinesischen Medizin, zum Beispiel Akkupunktur.

6.4 Therapeutische Maßnahmen bei Psoriasis Arthritis

Eine ergotherapeutische und physiotherapeutische Behandlung sind eine beliebte Maßnahme zur Linderung der Symptomatik bei einer Psoriasis Arthritis. Thermische Behandlungen, manuelle Therapie, Bewegungsübungen, Gelenkschutz sowie eine Hilfsmittelversorgung spielen hier eine wichtige Rolle.

Bei der Versorgung mit Hilfsmitteln besteht das Ziel, den Alltag des Patienten einfacher zu gestalten. Beispielweise werden Küchengegenstände wie Messer, Gabel, Löffel und Bretter hergestellt oder eingearbeitet, die über eine Griffverdickung verfügen und dadurch das Halten angenehmer machen. Teilweise werden diese Hilfsmittel von den Krankenkassen übernommen oder bezuschusst.

Auch eine Versorgung mit Schienen kann sinnvoll sein, um eine degenerative Veränderung der Finger zu vermeiden. Dabei sollen die betroffenen Finger mit einer Schiene in die korrekte Form gebracht werden, um die Funktionalität der Hände zu erhalten. Bei einer über Jahre bestehenden Entzündung können Finger aus ihrer physiologischen Position abweichen und die Feinmotorik massiv beeinträchtigen. Zusätzlich wird der Patient in Strategien und Maßnahmen zum Gelenkschutz eingearbeitet, um die pathologischen Bewegungsmuster nicht zu fördern.

Symptomatische Behandlung erfolgt über Maßnahmen zur Schmerzreduktion und Reduktion der Schwellung. Hier kommen spezielle Techniken wie Massagen, Bewegungsübungen, Bäder und andere Verfahren zum Einsatz. Ebenso wird das Bewegungsausmaß und das Ausmaß der Schwellung regelmäßig kontrolliert und dokumentiert, was eine Übersicht über die Funktionalität der Maßnahmen mit sich bringt.

Bei einer Belastung der Füße und der Zehen kann ebenso eine Behandlung durch einen Podologen in Frage kommen.

7. Gibt es Hausmittel für Psoriasis Arthritis?

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Betroffene können sich mit einfachen Maßnahmen Linderung verschaffen. Dazu gehört insbesondere die Reduktion der Entzündung und der Schmerzen. Kaltkompressen helfen dabei, die entzündlichen Prozesse in den Gelenken und im Gewebe zu minimieren, dazu können Bäder, Kühlpads oder Kompressen verwendet werden.

Um die Entwicklung der Erkrankung nicht negativ zu beeinflussen, sollte auf feinmotorisch stark belastende Tätigkeiten verzichtet werden und der Arbeitsplatz ergonomisch und gelenkschonend eingerichtet werden. Hilfreich sind beispielweise speziell geformte Elektrogeräte und Hilfsmittel, zum Beispiel eine ergonomische Computermaus, Gelunterlage für die Tastatur, Halterung für das Smartphone oder verdickte Stifte. Feinmotorische Tätigkeiten sollten möglichst wenig Kraftaufwand erfordern.

8. Wie kann man Psoriasis Arthritis vorbeugen?

vorbeugen bei psoriasis arthritis

Die Psoriasis Arthritis kann nicht vorgebeugt werden. Der Patient kann lediglich die Symptome behandeln.

9. Kann Psoriasis Arthritis bei Kindern auftreten?

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In den meisten Fällen ist die entzündliche Erkrankung im Erwachsenenalter vertreten, dennoch kommt es vereinzelt zu Erkrankungen bei Kindern. Kinder und Jugendliche leiden häufiger an anderen Formen der Psoriasis, die Psoriasis Arthritis bricht in der Regel später auf. Dennoch können auch die entzündlichen Symptome in den Gelenken und im Gewebe bereits im jungen Alter auftreten. Am häufigsten beginnt der Ausbruch im Teenager-Alter und beginnt in 80 % der Fälle mit einer Schuppenflechte. Kinder leiden unter der Erkrankung enorm, da diese nicht nur die Feinmotorik einschränkt und schmerzhaft ist, sondern auch optische Veränderungen mitbringt. Dies kann zu einer starken psychischen Belastung führen. Es ist wichtig, die Problematik möglichst früh zu erkennen, um das Kind bestmöglich zu versorgen. In der Therapie gibt es keine speziellen Verfahren für Kinder, je nach Ausmaß werden dieselben Medikamente in einer geringeren Dosierung verwendet, wie bei erwachsenen Patienten.

Die Ergotherapie, Maßnahmen gegen Schmerzen und Entzündungen sowie Verzicht auf Sportarten, welche eine zusätzliche Belastung mitbringen, sind wichtige Ansätze zur Behandlung der Kinder. Um das Schreiben möglichst zu erleichtern, können Stifte mit einer Griffverdickung oder speziellen Form hilfreich sein.

Quellenverzeichnis:
(1) https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html
(2) https://flexikon.doccheck.com/de/Psoriasisarthritis
(3) https://www.gesundheitsinformation.de/Psoriasis Arthritis.2325.de.html?part=folgen-sx

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