Schilddrüsenerkrankungen: Symptome, Diagnosen und Therapien

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Die Schilddrüse ist das zentrale Organ für den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Hier werden wichtige Hormone gebildet, welche die unterschiedlichen Körperfunktionen sowie das Wohlbefinden im Allgemeinen in einem großem Ausmaß beeinflussen. Dementsprechend umfassend sind die Auswirkungen, wenn eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegt. Hierbei wird hauptsächlich zwischen vier verschiedenen Diagnosen unterschieden.

 

Quelle: Pixabay // LUM3N

 

Die Schilddrüse sitzt im vorderen Halsbereich und ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen wie Trijodthyronin (T3), Thyroxin (T4), Kalzitonin sowie Thyreotropin verantwortlich. Diese sind in der richtigen Menge für einen gesunden Stoffwechsel unverzichtbar. Kommt es allerdings zu Störungen in der Schilddrüse, kann das je nach Hormonungleichgewicht verschiedene Symptome von einer Gewichtszunahme oder -abnahme über ständiges Frieren oder eine depressive Verstimmung bis hin zu einer bleiernen Müdigkeit nach sich ziehen. Auch Haarausfall, eine Gedächtnisschwäche, Verdauungsbeschwerden oder Ödeme können Hinweise auf eine Schilddrüsenfehlfunktion sein. Es ist daher wichtig, bei Veränderungen im Körper oder des Wohlbefindens frühzeitig den Arzt aufzusuchen. Dieser kann über eine Blutabnahme die Schilddrüsenhormone genauer unter die Lupe nehmen. Wird eine Fehlfunktion festgestellt, kommen unter Umständen weitere Untersuchungen in Frage, um das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung zu überprüfen. Eine Schilddrüsenerkrankung kann also aus einer Autoimmunerkrankung resultieren, muss sie aber nicht. Gemeinhin sind Fehlfunktionen der Schilddrüse im Regelfall aus einer der folgenden vier Diagnosen zurückzuführen:

 

  1. Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenige Hormone der Art T3 und T4. Als Symptome treten oft

 

  • Müdigkeit,
  • Gewichtszunahme,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Antriebslosigkeit,
  • Frieren,
  • Depressionen,
  • Haarausfall,
  • trockene Haut oder
  • Verstopfung auf.

 

Diese können einzeln oder in verschiedenen Kombinationen in Erscheinung treten, sodass das Beschwerdebild bei jedem Menschen individuell ist. Häufig geht sie auch mit unterschiedlichen Mangelerscheinungen einher, da durch den verlangsamten Stoffwechsel die Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen gehemmt ist. Nicht selten lässt sich zudem ein erhöhter Cholesterinspiegel bis hin zur Arteriosklerose beobachten. Liegt ein Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion vor, kann die Diagnose mittels Bluttest gestellt werden.

Mögliche Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion können entweder eine genetische Disposition oder Störungen der Hirnhangdrüse sein. Zudem sollte geprüft werden, ob eine Autoimmunerkrankung zugrunde liegt, welche das Drüsengewebe zerstört. Handelt es sich um eine genetische Ursache, kann die Schilddrüsenunterfunktion durch die Einnahme des Schilddrüsenhormons L-Thyroxin in der Regel erfolgreich sowie dauerhaft behandelt werden. Unterstützend ist zudem eine Ernährungsumstellung in Absprache mit dem behandelnden Arzt sinnvoll sowie regelmäßige Bewegung und eine effektive Stressreduktion, beispielsweise durch Entspannungstechniken wie Yoga. .

 

  1. Schilddrüsenüberfunktion

Demgegenüber werden bei der Schilddrüsenüberfunktion zu viele der Hormone T3 und T4 ausgeschüttet. Somit wird der Stoffwechsel auf eine krankhafte Art und Weise angeheizt und es kommt zu Symptomen wie

  • Herzrasen,
  • Unruhe,
  • Schwitzen,
  • Muskelkrämpfen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Durchfällen,
  • Gewichtsverlust,
  • Tremor,
  • Unruhe oder
  • Nervosität.

 

Die Betroffenen stehen sprichwörtlich ständig unter Spannung und kommen nie (innerlich) zur Ruhe. Auf Dauer kann die Schilddrüsenüberfunktion somit zu einer echten Belastung werden. Auch hier ist es nach der Diagnose wichtig, nach den Ursachen zu forschen. Neben Autoimmunerkrankungen kommen auch genetische Ursachen oder eine Autonomie der Schilddrüse in Frage. In letzterem Fall ist daran nicht selten ein Jodmangel schuld. Auf Dauer kann es dadurch auch zur Kropfbildung kommen. Jedoch kann ebenso eine zu hohe Zufuhr an Jod eine Schilddrüsenüberfunktion erwirken. Eine regelmäßige Kontrolle der Werte ist deshalb bei diesem Krankheitsbild das A und O für eine erfolgreiche Therapie.

Damit ist ein wichtiges Stichwort gefallen: Die Therapie muss bei einer Überfunktion deutlich individueller gestaltet werden als bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Oft kommen dafür verschiedene Medikamente sowie Betablocker in individueller Abstimmung zum Einsatz. Zeigen diese keine (ausreichende) Wirkung, so kann auch eine Operation Linderung beziehungsweise Heilung verschaffen. Da Stress mittlerweile als einer der Hauptauslöser für eine Schilddrüsenüberfunktion betrachtet wird, spielen auch Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson bei der Therapie eine wichtige Rolle.

 

  1. Hashimoto-Thyreoiditis

Als „Hashimoto“ wird eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse bezeichnet, welche eine chronische Entzündung nach sich zieht. Der Körper greift irrtümlich das eigene Gewebe in der Schilddrüse an und beginnt, es nach und nach zu zerstören. Somit zieht die Krankheit meist eine Schilddrüsenunterfunktion nach sich. Sie tritt häufiger bei Frauen auf, vor allem zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr – oft im Zusammenhang mit den Wechseljahren. Noch ist aber unklar, welche die genauen Auslöser für die Autoimmunerkrankung sind. Vermutet wird eine genetische Disposition in Kombination mit einer Überdosierung von Jod. Häufig ist zudem zu beobachten, dass Hashimoto simultan zu weiteren Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie, Diabetes mellitus Typ 1 oder Vitilgo auftritt.

Die Diagnose wird in der Regel per Ultraschall gestellt. Zudem werden per Blutabnahme die Schilddrüsenwerte bestimmt. Da Hashimoto zumeist in einer Schilddrüsenunterfunktion mündet, wird sie auch durch die Gabe von L-Thyroxin behandelt. Zeitgleich ist eine regelmäßige Kontrolle notwendig und bei einigen Patienten ist die Einnahme des Hormons T3 zusätzlich sinnvoll. Ergänzend setzen viele Betroffene auf die Einnahme von Selen, Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren. Solche Vitamine und Spurenelemente können bei der Behandlung der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis unterstützend wirken.

 

  1. Morbus Basedow

Zuletzt gehört auch noch Morbus Basedow zu den häufigsten Schilddrüsenerkrankungen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Autoimmunerkrankung, wobei Autoantikörper die Schilddrüse angreifen. Sie regen die Schilddrüsenzellen an und erwirken dadurch eine überschüssige Hormonbildung. Es kommt also zu einer Schilddrüsenüberfunktion, die häufig auch mit einer Erkrankung der Augen einhergeht. Die Ursachen für Morbus Basedow sind allerdings noch nicht abschließend erforscht, was die Therapie der Krankheit deutlich erschwert. Vermutet wird ein Zusammenhang mit Umwelteinflüssen, schädlichen Gewohnheiten wie dem Rauchen, Stress sowie genetischen Faktoren.

Behandelt wird Morbus Basedow bislang vor allem medikamentös mit speziellen Blockern, welche den Wert der Hormone T3 und T4 im Blut absenken. Häufig wird dadurch auf Dauer eine Besserung der Krankheit bis hin zu einer vollständigen Heilung beobachtet. Bei rund der Hälfte aller Fälle kommt es aber nach Absetzen der Medikamente zu einem Rückfall. In Extremfällen, wenn beispielsweise die Medikamente nicht anschlagen, kann auch eine Operation oder Radio-Jod-Therapie als wirksame Therapiemethode in Frage kommen.

 

Weitere Schilddrüsenerkrankungen

Diese vier sind zwar die häufigsten krankhaften Störungen im Bereich der Schilddrüse, dennoch aber nicht die Einzigen. Auch Entzündungen, Erkrankungen der Nebenschilddrüse oder Schilddrüsenkrebs kommen bei Problemen mit der Schilddrüse als Ursache in Frage. Es ist daher wichtig, diese regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen – spätestens aber beim Auftreten erster Beschwerden.

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Über Giacomo Hermosa 3 Artikel
Giacomo Hermosa ist 37 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und verheiratet. Vor elf Jahren hat er die Magister der Biologie und Anglistik erfolgreich absolviert. Hier hat er sich interdisziplinär mit den Themen Bioverfügbarkeit und Medizinalhanf beschäftigt. In seiner Freizeit schreibt er v.a. in den Bereichen Fitness, Ernährung und – familiär bedingt – über einige besondere Autoimmunerkrankungen. Seine Veröffentlichungen findet man u.a. auf seiner Website und bei der taz.

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