Eine Vaskulitis ist der Überbegriff für unterschiedliche entzündliche Krankheitsprozesse der Blutgefäße, welche durch einen autoimmunologischen Prozess ausgelöst werden – d.h., bei dem das körpereigene Abwehrsystem fälschlicherweise die eigenen Gefäße angreift. Der Auslöser ist meist unbekannt, jedoch kann die Ursache auch eine andere Erkrankung, ein spezifisches Medikament oder eine Infektion sein.

Bei der Vaskulitis handelt es sich um eine seltene Krankheitsform, welche oftmals unentdeckt bleibt, da aufgrund der Entzündungsprozesse unspezifische Symptome wie zum Beispiel ein Müdigkeitsgefühl, Nachtschweiß, Fieber oder Gelenk– und Muskelschmerzen auftreten können.

Was ist eine Vaskulitis?

Bei einer Vaskulitis (lat. vasulum = kleines Gefäß, -itis = Entzündung; plural: Vaskulitiden) greift das Immunsystem aufgrund einer durch spezifische Eiweiße ausgelösten Autoimmunreaktion die Blutgefäße – also Arterien, Venen und Kapillaren des Körpers an. Aus diesem Grund wird die Vaskulitis auch zu den Autoimmunerkrankungen gezählt.

Es handelt sich um eine selten auftretende Krankheitsform, welche mit einer Prävalenz von nur 100.000 bis 1.000.000 angegeben wird. Dabei ist die häufigste Form die sogenannte Arteriitis temporalis mit einer Indiz von ungefähr 30 pro 100.000 Erkrankungen.

Welche Formen der Vaskulitiden werden unterschieden?

Im Allgemeinen werden zwei Formen unterschieden: Die primäre und die sekundäre Vaskulitis. Die primäre Vaskulitis ist ein eigenständiges Krankheitsbild, bei dem oftmals spezifische Gefäße befallen werden.

Sie wird anhand der Art und Größe der infizierten Blutgefäße differenziert (Chapel-Hill-Klassifikationen, 1993). Jedoch ist bei dieser Erkrankung die Ursache meist unbekannt, weshalb Ärzte oftmals auch von einer idiopathischen Vaskulitis sprechen.

Folgende 13 primäre Vaskulitiden werden differenziert:

  • Endangiitis obliterans
  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (ältere Bezeichnung: Churg–Strauss-Syndrom)
  • Granulomatose mit Polyangiitis (ältere Bezeichnung: Morbus Wegener)
  • Großzellenarteriitis/Temporale Arteriitis
  • Kawasaki-Syndrom
  • Kryoglobulinämie
  • kutane leukozytoklastische Angiitis
  • Mikroskopische Polyangiitis
  • Morbus Behcet
  • Polyarteriitis Nodosa
  • Purpura Schönlein-Henoch
  • Takayasu Arteriitis
  • Vaskulitis des zentralen Nervensystems

Die sekundäre Vaskulitis äußert sich hingegen stets mit dem parallelen Auftreten einer anderen Grunderkrankung (z.B. Rheuma, Sjögren-Syndrom). Der Auslöser kann zudem eine Virusinfektion oder ein bestimmtes Medikament sein.

Die einzige Vaskulitis, die systemisch sowohl Arterien als auch Venen unterschiedlicher Größe betreffen kann, ist die sogenannte Behςet-Krankheit. Diese Form der Autoimmunkrankheit betrifft vor allem die Gefäße der Augen.

Sind Haut und Schleimhäute entzündet, entstehen schmerzhafte Apthen (Geschwüre) im Mund und im Intimbereich. Insbesondere in der Türkei und den arabischen Ländern sind Menschen von diesem Krankheitsbild betroffen: Typischerweise mehr Frauen als Männer, meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Welche Ursachen haben die Vaskulitiden?

Vaskulitiden entstehen, indem sich die Blutgefäßwände oder das gesamte Blutgefäß aufgrund einer immunologischen Abwehrreaktion entzünden. Bei vielen Vaskulitis-Formen richten sich bestimmte Eiweiße gegen die körpereigenen Gefäßstrukturen.

Insbesondere die sogenannten ANCA (antineutrophile cytoplasmatische Antikörper) spielen hierbei eine große Rolle: Diese richten sich gegen spezifische weiße Blutkörperchen, welches insbesondere bei der Eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis oder der Granulomatose mit Polyangiitis den eigentlichen Auslöser der Entzündung darstellt.

Zusammenfassend werden diese Vaskulitiden auch als pauci-immune Vaskulitis-Formen bezeichnet.
Ein weiter Grund zur Entstehung kann die Beteiligung von Immunkomplexen (Antigen-Antikörper- oder Antikörper-Antikörper-Komplexe) sein. In diesem Fall spricht man von Immunvaskulitiden.

Hierbei binden spezifische Fremdstoffelemente, wie beispielsweise von Viren oder Medikamenten, an die Antikörper – es bildet sich ein Komplex aus, welcher sich anschließend in die Gefäßwände einlagert und dadurch eine lokale Entzündung hervorruft.

Nicht selten kommt es vor, dass solch ein Immunkomplex über das Blut in andere Körperregionen abtransportiert wird und dort ebenfalls eine Vaskulitis entstehen lässt.

Die Ursachen für eine primäre Vaskulitis sind meistens unklar, wobei bei einer sekundären mehrere Faktoren der Auslöser sein können:

  • weitere Autoimmunkrankheiten (z.B. rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn)
  • Infektionen (z.B. HIV, Hepatitis)
  • Medikamente (z.B. Antibiotika, ACE-Hemmer)
  • bösartige Tumore (z.B. Leukämie, Lymphome)

Welche Symptome & Anzeichen sprechen für eine Erkrankung?

Die Symptome und Anzeichen für eine Vaskulitis können derart vielfältig sein, dass eine generelle Symptomatik schwer zu beschreiben ist. Meist ist die Haut der Schlüssel zur Diagnose, da sie am einfachsten zu untersuchen gilt.

In den meisten Fällen weisen Patienten die unter einer aktiven Vaskulitis leiden, deutliche Entzündungsanzeichen im Blut auf. Teilweise lassen sich diverse Vaskulitiden auch mittels typischer Antikörper im Blut nachweisen.

Meist treten zu Beginn einer Gefäßentzündung unspezifische Symptome auf. Einige Patienten beschreiben ein Abgeschlagenheits– und Müdigkeitsgefühl sowie eine leicht erhöhte Körpertemperatur, Nachtschweiß und ungewollten Gewichtsverlust.

Diese Anzeichen werden von Medizinern auch unter dem Begriff „B-Symptomatik“ zusammengefasst. Zudem können sowohl rheumatische Beschwerden, wie Muskel– und Gelenkschmerzen, als auch diverse Schwellungen auftreten.

Des Weiteren werden folgende Symptome bei Vaskulitiden beschrieben:

  • leichte Augenrötungen und Sehstörungen
  • schmerzende Aphten im Mund
  • häufige Nasennebenhöhlenentzündung
  • fleckige Haut (Purpura) und Rötungen
  • Atemnot oder Bluthusten
  • blutige Durchfälle oder blutiger Urin
  • Brustschmerzen
  • Kribbeln oder Missempfindungen (Parästhesien)
  • mittelgroße Gefäße
  • Organinfarkte
  • Schlaganfall
  • große Gefäße
  • schlagartige Erblindung
  • starke Schmerzen in Armen und Beinen
  • erhöhtes Thromboserisiko (Blutgerinnsel)
  • Embolien

Welche Folgen hat die Vaskulitis?

Aufgrund der Gefäßentzündung treten Schwellungen auf, welche die Blutgefäße verengen oder gar gänzlich verschließen. Es entstehen Aneurysmen (abnormale Aussackungen), welche die Blutflussmenge reduzieren und somit verhindern, dass das Gewebe oder die Organe ausreichend mit Sauerstoff sowie Nährstoffen versorgt werden können.

Infolgedessen wird eine optimale Biofunktion nicht mehr gewährleistet. Zudem kann dies sowohl zum Absterben des Gewebes (Nekrose) oder in schweren Fällen auch zum Organversagen führen. Des Weiteren besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass durch die erhöhte Anfälligkeit für Risse, das Blut aus den Gefäßen austreten kann.

Wie diagnostiziert man eine Vaskulitis?

Im Falle eines Verdachtes sollte stets ein Internist – ein Facharzt für Gefäßerkrankungen – aufgesucht werden. Jedoch ist es sinnvoll, zusätzliche Ärzte aus unterschiedlichen Schwerpunkten aufzusuchen, um andere Erkrankungen auszuschließen zu können.

Die Vaskulitis-Autoimmunerkrankung kann mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren diagnostiziert werden: Sie erfolgt sowohl durch Blut– und meist auch Urinproben, bei denen typische Laborergebnisse (z.B. Entzündungswerte) ermittelt und insbesondere der Nachweis von charakteristischen Eiweißen wie Auto-Antikörper oder Immunkomplexe erbracht werden.

Als auch über eine Bildgebung der Blutgefäße mittels MRT (Magnetresonanztherapie), CT (Computertomographie) oder teilweise auch über PET (Positronen-Emissions-Tomographie), Röntgenaufnahmen sowie Ultraschalluntersuchungen.

Um die Diagnose der Vaskulitiden eindeutig zu manifestieren, werden Gewebeproben entnommen und in einem Labor mikroskopisch untersucht.

Wie ist der typische Krankheitsverlauf der Vaskulitis?

Zu Beginn entzündet sich das Endothel (innere Gefäßbeschichtung), jedoch kann sich die Entzündung später auch auf das umliegende Bindegewebe ausbreiten, wodurch ganze Organe wie Haut, Niere, Magen, Herz oder das Nervensystem betroffen sein können. Somit wird bei der Vaskulitis teilweise der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen (systemisch), weshalb dieses Krankheitsbild oftmals schwerwiegende bis gar tödliche Folgen mit sich ziehen kann.

Im Prinzip sind alle Schweregrade der Erkrankung möglich: Angefangen von milderen Formen, bis hin zu schweren lebensbedrohlichen Verläufen mit Organversagen. In jedem Fall ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, der sich speziell mit seltenen Krankheitsbildern auskennt und sowohl verschiedene Möglichkeiten zur Therapie, als auch für denkbare Komplikationen bereithält.

Welche Behandlungsmethoden bzw. Therapien gibt es in der

a. Klassischen Schuldmedizin?

Die Behandlung von systemischen Vaskulitiden erfolgt primär über den Einsatz von immunsuppressiven Medikamenten, ist jedoch von Form und Schweregrad der Vaskulitis abhängig. Meist werden dabei verschiedene Arzneimittel kombiniert – insbesondere Kortisonpräparate und/oder Zytostatika. In speziellen Fällen kann auch eine erfolgreiche Antikörper-Therapie (via Tropf) erfolgen.

Bei lebensbedrohlichen Fällen mit Lungenblutungen und Nierenversagen können mit Hilfe eines Spezialverfahrens, welches einer Dialyse (Blutwäsche) gleicht, durch eine „Plasmaseparation“ dem Blut die infektiösen Antikörper entzogen werden.

Bei der Therapie einer sekundären Vaskulitis wird in erster Distanz die parallel auftretende Grunderkrankung behandelt.

b. Naturheilkunde?

Da die Vaskulitis ein breites Spektrum an Symptomen aufweist, sowie in schwerwiegenden Fällen sogar aufgrund von Organversagen teils tödlich enden kann, wird zur Behandlung mittels klassischer Schulmedizin geraten.

Ein hilfreiches Mittel aus der Naturheilkunde liegt innerhalb der Aromatherapie: Hier wird zur sanften Einreibung mit kortisonähnlich wirkenden ätherischen Ölen, wie zum Beispiel von der Weißtanne, Fichtennadel, der Kanuka-Heilpflanze aus Neuseeland oder Myrte geraten.

c. Alternativen Heilkunde?

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung, wird ein gesunder und ausgeglichener Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung (z.B. Schwimmen), einer ausgewogenen Ernährung, wenig Stress und dem Verzicht auf Nikotin empfohlen.

Zudem sollten Patienten stets auf prägnante Warnzeichen achten, um ein Rückfallrisiko zu vermeiden. Eine rechtzeitige und konsequente Therapie ist das A und O, um langsam aber sicher in ein relativ normales und überwiegend beschwerdefreies Leben zurückzukehren.

Gibt es Hausmittel?

Als alternatives Hausmittel bei einer Vaskulitis-Erkrankung wird zur möglichen Schmerzlinderung die Gabe von Kamille, Schafgabe, Rose sowie das zweimal tägliche Einreiben mit Ringelblumenöl empfohlen.

Quellenverzeichnis:

• http://flexikon.doccheck.com/de/Vaskulitis; Stand: 19.07.2017, 14:45h
• http://www.vaskulitis.org; Stand: 19.07.2017, 14:56h
• http://dgrh.de/vaskulitiden0.html; Stand: 19.07.2017, 14:57h
• http://www.netdoktor.de/krankheiten/vaskulitis/; Stand: 19.07.2017, 14:58h
• http://www.cysticus.de/naturheilkunde-forum/vaskulitis-t1951.html; Stand: 19.07.2017, 15:01h
• http://www.onmeda.de/krankheiten/vaskulitis.html; Stand: 19.07.2017, 15:03h

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